FN-Interview: Der Tauberbischofsheimer Bariton Tobias Frank gibt am Samstag ein Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins "Frauen helfen Frauen"
"Die Menschen bewegen und berühren"
Tauberbischofsheim. Zehn Jahre Inner Wheel Club Tauberfranken - das ist wahrlich ein Grund zum Feiern. Mit einem Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins "Frauen helfen Frauen" soll dieser Geburtstag seine besondere Note bekommen. Und dazu haben sich auch hochkarätige Gäste angesagt: Das Trio "Mezza Voce" aus Frankfurt wird anreisen - mit der Mezzosopranistin Linda Sommerlage, der Pianistin Ruta Rudvalyte und dem gebürtigen Tauberbischofsheimer Bariton und frischgebackenem Diplom-Opernsänger Tobias Frank, der sich sehr auf das Konzert in seiner Heimatstadt freut.
Herzlichen Glückwunsch, Herr Frank! Wie fühlt es sich an, das Diplom als Opernsänger in der Tasche zu haben?
Tobias Frank: Ich bin sehr glücklich und stolz auf dieses Diplom. Denn bis dahin war es ein langer Weg. Wir werden immer wieder überrascht angeschaut, dass man als Sänger ein Diplom bekommen kann. Die Ausbildung ist jedoch sehr vielseitig und man muss etliche Prüfungen ablegen. Das fängt schon mit der Aufnahmeprüfung an. Im Studium belegen wir Theoriefächer wie Musikgeschichte, Gehörbildung, Formenlehre, Stilkopien usw. ebenso wie die praktischen Fächer, die gerade für uns Bühnendarsteller wichtig sind - wie Tanz, Bühnenfechten, Schauspielunterricht, Sprecherziehung, Klavier und dann natürlich nicht zu vergessen der Gesangsunterricht. Am Ende ist man also sehr vielseitig ausgebildet und, wie Loriot schon sagte, "mit dem Jodeldiplom hat man was Eigenes"!
Sie haben aber noch mehr gute Neuigkeiten, wurden Sie doch 2006 in die Förderung von "Yehudi Menuhin Live Music Now" in Frankfurt aufgenommen. Wie kam es dazu?
Frank: Ich habe mich gemeinsam mit Ruta Rudvalyte für diese Stiftung beworben. Auf die Idee und die Bewerbung als Duo hat mich meine Freundin und Kommilitonin Linda Sommerhage gebracht. Die Stiftung und besonders die Idee Yehudi Menuhins, junge Musiker in sozialen Einrichtungen auftreten zu lassen, finde ich großartig. Ich selbst habe in den Jahren unglaublich beeindruckende Erfahrungen gesammelt, so habe ich beispielsweise im Gefängnis vor 50 inhaftierten Jugendstraftätern gesungen sowie in Alten-und Behindertenheimen Konzerte gegeben.
Das Beeindruckende ist, wie unmittelbar und direkt sich Musik dort vermittelt - wohlgemerkt, wir spielen dort ein klassisches Programm mit Schubert, Mozart etc. Und die Musik erreicht hier direkt die Menschen. Eine demenzkranke Frau im Rollstuhl sang da mit mir zusammen "Tulpen aus Amsterdam", während ich ihr die Hand hielt. Später erzählte mir die Heimleiterin, dass sie seit Monaten nicht mehr direkt ansprechbar wäre und ständig abwesend sei. Die Musik hat in ihr also Erinnerungen und Emotionen geweckt. Und hier zeigt sich, wie wichtig Musik für uns und für unsere Seele ist. Selbst im Gefängnis, wo vielleicht weniger Klassik gehört wird, waren großes Interesse und Begeisterung erkennbar.
Am Samstag sind Sie wieder einmal in Ihrer Heimatstadt Tauberbischofsheim zu hören. Freuen Sie sich auf Ihr Gastspiel?
Frank: Ja, natürlich freue ich mich darauf! Auch weil ich zusammen mit "meinen beiden Damen" auftrete und das Ganze noch mit einem guten Zweck für den Verein Frauen helfen Frauen verbunden ist. In der Weihnachtszeit durfte ich im Rahmen der Yehudi Menuhin Stiftung ein Konzert in einem Frauenhaus geben und habe daher einen Einblick in das Leben, die Sorgen und Ängste der Frauen und Kinder erhalten. Da ist es schön, dass wir nun ein Konzert zugunsten des Vereins in meiner Heimatstadt geben dürfen.
Sie treten mit Ruta Rudvalyte und Linda Sommerhage als das Trio "Mezza Voce" auf. Wer hatte die Idee zu diesem Trio? Und wie ist es, mit zwei Damen auf der Bühne zu stehen?
Frank: Wir sind alle drei Stipendiaten der Yehudi Menuhin Stiftung und miteinander befreundet. Durch die vielen Konzerte im Rhein-Main-Gebiet kam uns die Idee, ein Trio zu gründen. Linda ist Mezzosopranistin, ich bin Bariton, Ruta ist unsere Pianistin - deshalb haben wir uns den Namen "Mezza Voce" ausgesucht. Wir versuchen in unseren Konzerten ein breites Programm aus der Gesangswelt zu präsentieren und haben kein Problem damit, ein Schubert-Lied oder eine Verdi-Arie mit einem Operettenschlager zu verbinden. Wir möchten dem Publikum unmittelbar Musik auf höchstem Niveau vermitteln und bei dem Einen oder Anderen die Neugier und das Interesse für unbekannte oder ungewohnte Musikstücke wecken.
Gerade in Zeiten, in denen Musik überall als Geräuschkulisse zu hören ist, möchten wir wieder die Qualität, das bewusste Zu- bzw. Hinhören und nicht zuletzt den Spaß an der Musik vermitteln - und das alles ohne Stereoanlage, Mikrofon und Playbackeinspielung.
Welche weiteren Projekte stehen in diesem Jahr bei Ihnen an?
Frank: Als Trio werden wir exklusiv zahlreiche Konzerte in einer eigens konzipierten Show für die Schmuckmanufaktur Wellendorff aus Pforzheim in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben. Ich werde an der Kammeroper München ab Herbst engagiert sein, und alles Weitere wird man sehen ...
Was ist das schönste Kompliment, das man Ihnen machen kann?
Frank: Das Schönste ist, wenn es dem Publikum wirklich gefallen hat, wenn wir die Menschen unterhalten, berührt, bewegt haben und sie Lust auf mehr bekommen und wieder in ein Konzert - welcher Art auch immer, ob Gesang, Sinfonie- oder Kammermusik - gehen werden.
Fränkische Nachrichten, 4. März 2009 www.fnweb.de
Fotos: FN
04. April 2010
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Tobias Frank
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